Mitleid(en)

Ich habe ganz zufällig einen tollen Hundeblog entdeckt. 

Das Frauchen von Anti spricht mir total aus der Seele und ist dabei auch noch ziemlich witzig und herrlich pragmatisch und realistisch. Das liest sich schön und dieser Beitrag hat mich dann inspiriert von meinem letzten „Versagen“ in Sachen Hundeerziehung zu berichten, denn was sie da beschreibt, erinnert mich dann doch echt sehr an mich selbst. 

Wer sich auch nur ein minikleines bisschen mit Hunde- (bzw. Tier-) erziehung beschäftigt, kommt ja am allgegenwärtigen Clicker nicht vorbei. Egal ob Hund, Katze, Papagei oder Ratte, mit ein paar Leckerlies und positiver Konditionierung ist kein Trick unmöglich und keine Aufgabe unmöglich, die Bindung zum Tier wird suuuuuuperklasse und eng und sowieso gibt es nicht ein einziges Tier, für welches Clickern nicht geeignet ist. 

So sagen es zumindest die 4 bis 6 Bücher, die ich mir aus der Bibliothek besorgt habe, so wie ungefähr jede Tiersendung und jedes Forum im Netz. 

Da es ja nie schaden kann, dem Hundekind mal was neues beizubringen, habe ich mich also voller Motivation, Vorfreude und Ethusiasmus in ein Zoogeschäft begeben und einen Clicker und einen riiiiiesigen Topf kleine, weiche, gut schluckbare und mega schmackofatzo Leckerlies gekauft. 

Als ich dann zuhause war, habe ich mich also hingesetzt und wollte mit der klassischen Konditionierung click-Leckerlie anfange. 

Ich wiederhole nochmal (nur so als Erinnerung) die traumhaften Versprechungen der Clicker-Lektüre: Das ist für JEDEN(!) Hund was. 

Könnt ihr euch vorstellen, was passiert ist?

Ich klappere mit einer riiiesigen Leckerliebox. Mein Hund freut sich halb den A*** ab, weil es jetzt was zu fressen gibt. 

Ich nehme den Clicker in die Hand. Ich clicke. „Click-clack“. Mein Hund klemmt den Schwanz ein und klappt die Ohren zurück. Das bereit gelegte Häppchen wird noch geschluckt. Beim nächsten „Click-Clack“ verweigert der (wirklich, wirklich sehr verfressene) Wau sowohl das Leckerlie, als auch die weitere Anwesenheit bei diesem bekloppten und vor allem auch wirklich beunruhigenden Spielchen und verlässt in einer Stimmung irgendwo zwischen verängstigt und angepisst den Raum und bleibt dann auch erstmal eine Stunde verschwunden. 

Ich bin natürlich beunruhigt, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass das so definitiv nicht laufen sollte und gucke nochmal im Buch 2-5, bei googel, youtube und im Psychologiehandbuch nach. 

Ich werde fündig. Besonders geräuschempfindlichen Hunden, ist das direkte Clicken am Anfang eventuell zu laut. Also soll man den Clicker in die Hosentasche stecken oder ein Handtuch um die Hand wickeln. Nicht, dass mein Hund besonders geräuschempfindlich ist, aber gut. Modifizierung erwünscht.

Also am nächsten Tag Versuch zwei, denn man kann ja nicht einfach so aufgeben. Das ist doch für JEDEN! Hund was!

Ich stehe im Wohnzimmer und klappere mit der riiiiiesigen Dose. Diesmal habe ich den Eindruck, dass das Fressmonster nicht ganz so fröhlich angehüpfert kommt, wie erwartet. Hrmpf. Das geht ja schon mal gut los. 

Meine Hand (mit dem „Click-Clack“ darin) ist in einen lächerlichen Wust aus Handtüchern und Schals gewickelt, um das Geräusch des Teufels zu dämpfen. 

Das Konditionieren klappte objektiv betrachtet absolut reibungslos, aber eben einfach komplett in die falsche Richtung. Das Clicken ist für meinen Hund (ganz egal in welcher Lautstärke) offenbar das Geräusch des Teufels. Deswegen nahm er also auch fast 2 Wochen nach meiner doofen Idee die super Leckerchen aus der Superspaßdose nicht zwischen die Zähne und verließ den Raum, sobald man auch nur in die Richtung des Clickers griff. Gott sei Dank habe ich mir damit kein funktionierendes Kommando mit dem ganzen Quatsch versaut.

Irgendwie nervt mich diese ganze Geschichte vor allem deswegen, weil also Bücher, die ich so gelesen habe, das Clickern, als absoluten Heilsweg des Trainings mit dem Wuffelpuffel gehypt wird. 

Ich widerspreche also hiermit der Aussage: „Clickern ist für alle toll“. Es gibt auch Hunde (oder mindestens einen Hund), die das metallische Geräusch offensichtlich absolut Kacke finden. Egal in welcher Lautstärke. Und egal, wie suuuuperduuupimegaklasse die angebotenen Belohnungen sind. 

Ich ärgere mich aber auch ziemlich über mich selber. Weil ich auch nach 2, 5 Jahren mit meinem kleinen Dreibein immer wieder von Internet, Foren, Hundewiesenstrebern und so weiter genügend in meiner Beziehung zu meinem Hund verunsichern lasse, als das ich annehme, dass ich weder genügend mit ihm trainiere, noch das richtige Geschirr, Halsband benutze, noch das richtige Futter füttere und außerdem sowieso ein Totalversager in Sachen Hund bin. 

Obwohl doch eigentlich alles schön ist. Ich glaube das Hundekind ist weitestgehend zufrieden mit uns. Und wir sind weitestgehend zufrieden mit dem Hundekind. Klar, irgendwas könnte man immer noch optimieren, aber im Großen und Ganzen ist alles schön. Also haben jetzt erstmal alle wieder ihre Ruhe. Bis zum nächsten Anfall meinerseits…. 😀

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2 Gedanken zu “Mitleid(en)

  1. Ach, Frau Doktor, danke! Wenn es auch sonst blöd war, hat es mir geholfen, weil Clickern nämlich nicht nur für jeden Hund etwas ist, neiiin, man kann auch andere Tiere damit SUPER erziehen, sogar Katzen! (ist klar. Ihr Wahnsinnigen). Und Ratten. Andere Ratten vielleicht. Unseren Ratten ist es pupsegal, ob es klickt oder nicht, solange es Drops gibt. Mit Drops in der Nähe sind die eh auf nichts anderes zu fokussieren. Wann, wie und mit welchem Geräusch verbunden man die bekommt, spielt keine Rolle, Hallo, das sind Leckerlis! Dafür beißt man auch schon mal die eigene Schwester weg, was soll einen dann irgendein Mensch mit Klickklack und der Wiederholung irgendeines dubiosen Wortes interessieren?
    Echt. Hör mir auf mit Clickern…

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    • Ich seh schon. Ich bin nicht der einzige Clicker-Versager. Habe sogar eine Geschichte gelesen, nach der jemand einem Fisch (!!) beigebracht haben soll, durch einen Reifen zu schwimmen. Dank Clicker… Wer glaub, wird seelig. 😉

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